Kameras mit variabler Blende stehen vor einem Comeback, wobei Samsung und Apple die Nase vorn haben
Für die Smartphone-Fotografie zeichnet sich möglicherweise ein bedeutender Wandel ab. Laut einem aktuellen Bericht des koreanischen Medienunternehmens Etnews haben Brancheninsider enthüllt, dass Samsung Electro-Mechanics aktiv versucht, Kameramodule mit variabler Apertur an chinesische Smartphone-Hersteller zu liefern. Dieser Schritt signalisiert ein mögliches Wiederaufleben einer Technologie, die Fotografen eine größere kreative Kontrolle bietet, eine Funktion, die bei den heutigen Flaggschiffgeräten weitgehend fehlt.
Dieselben Quellen weisen darauf hin, dass Samsung Electronics nicht nur andere Marken beliefern möchte, sondern auch darüber nachdenkt, Kameras mit variabler Blende wieder in seine eigenen High-End-Smartphones einzuführen, die in der zweiten Hälfte des nächsten Jahres auf den Markt kommen sollen. Diese Entwicklung deutet auf ein erneutes branchenweites Interesse hin, die Grenzen der mobilen Bildgebung über Softwareverbesserungen hinaus zu erweitern.

Für diejenigen, die es nicht kennen: Eine Blende ist ein Mechanismus innerhalb eines Kameraobjektivs, der sich anpasst, um Lichtbelichtung und Schärfentiefe zu steuern. Eine größere Blende erzeugt eine geringe Schärfentiefe, was zu einem unscharfen Hintergrund (Bokeh) führt, der das Motiv hervorhebt. Umgekehrt sorgt eine kleinere Blende dafür, dass sowohl der Vordergrund als auch der Hintergrund scharf bleiben. Die meisten Smartphone-Kameras verfügen über eine feste Blende, die fest auf die größte Öffnung eingestellt ist, was die fotografische Flexibilität einschränkt. Während einige Hersteller wie Xiaomi und Huawei diese Technologie in ausgewählten Modellen implementiert haben, ist sie noch kein Mainstream-Feature.

Interessanterweise hat Samsung damit schon einmal experimentiert. Das Unternehmen hat die variable Blende in die Serien Galaxy S9 (2018) und Galaxy S10 (2019) integriert, beim Galaxy S20 jedoch darauf verzichtet. Damals galt die Technologie als Nischenfunktion, die das Kameramodul teurer und dicker machte, insbesondere als softwarebasierte Porträtmodi eine praktische Alternative darstellten. Es galt als eine Technologie, die „geschmacklos zum Essen, aber schade zum Wegwerfen“ sei.

Warum also der Sinneswandel? Da mobile Kamerasensoren (CMOS) immer größer werden, ist eine feste große Blende zu einer Einschränkung geworden, die es schwierig macht, klare Gruppenfotos oder Texte aufzunehmen. Darüber hinaus empfinden immer mehr Nutzer das durch Softwarealgorithmen erzeugte Bokeh als unnatürlich. Dies hat die Hersteller dazu veranlasst, die hardwarebasierte Lösung der variablen Blende zu überdenken. Ein Branchenexperte bemerkte: „Der Verbesserung der Nachtfotografieleistung allein durch Softwarealgorithmen sind Grenzen gesetzt, und die Hersteller führen wieder variable Blenden ein, um ihre Wettbewerbsfähigkeit bei der mobilen Bildgebung zu verbessern.“
Der Trend ist möglicherweise nicht auf das Android-Ökosystem beschränkt. Quellen deuten auch darauf hin, dass Apple prüft, ob es eine variable Blende in seine iPhone-Reihe einführen soll. Da im nächsten Jahr das 20-jährige iPhone-Jubiläum näher rückt, erwägt das Unternehmen Berichten zufolge ein „großes Upgrade“, und dies könnte ein Schlüsselmerkmal sein. Die mögliche Rückkehr der Technologie mit variabler Blende durch große Player wie Samsung und Apple könnte den nächsten Evolutionsschritt im Streben nach professioneller Fotografie auf unseren Handys markieren.